Gesundheit · Medizin

Sexuelle Gesundheit im Alter — was sich ändert und was behandelbar ist

Vieles, was als unvermeidliche Alterserscheinung gilt, ist ein behandelbares Symptom. Was sich tatsächlich verändert, was an Medikamenten liegt, und worüber in der Sprechstunde kaum jemand spricht.

Ein Sprechzimmer mit Schreibtisch
ell brown · CC BY 2.0
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Über sexuelle Gesundheit im Alter wird in der Sprechstunde selten gesprochen — von beiden Seiten. Die Folge ist, dass behandelbare Beschwerden jahrelang als unvermeidliche Alterserscheinung hingenommen werden.

Das Wichtigste

Manches verändert sich tatsächlich mit dem Alter: Erregung braucht mehr Zeit und mehr direkte Stimulation. Das ist normal. Was nicht normal ist: Schmerzen, ein plötzlicher Einbruch der Libido, und Erektionsstörungen — Letztere sind ein anerkanntes Warnzeichen für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Und Medikamente erklären mehr Fälle, als die meisten vermuten.

Was sich wirklich ändert

Einige Veränderungen sind normale Physiologie und kein Krankheitszeichen:

  • Erregung dauert länger und braucht direktere Stimulation, bei beiden Geschlechtern
  • Bei Frauen lässt die natürliche Befeuchtung nach der Menopause deutlich nach
  • Bei Männern werden Erektionen weniger zuverlässig, und die Erholungszeit verlängert sich
  • Die Häufigkeit nimmt im Durchschnitt ab, während die Zufriedenheit oft nicht sinkt

Dieser letzte Punkt ist gut belegt und wird selten erwähnt: Häufigkeit und Zufriedenheit sind zwei verschiedene Dinge. Viele ältere Paare berichten von gleichbleibender oder höherer Zufriedenheit bei geringerer Häufigkeit.

Medikamentenpackungen auf einem Tisch
whologwhy · CC BY 2.0

Was nicht normal ist

Die Unterscheidung, auf die es ankommt:

Schmerzen. In keinem Alter normal. Bei Frauen nach der Menopause fast immer durch die hormonell bedingte Ausdünnung der Schleimhaut verursacht — und gut behandelbar mit lokalen Präparaten. Dass so viele Frauen jahrelang damit leben, liegt fast ausschließlich daran, dass niemand danach fragt.

Ein plötzlicher Einbruch der Libido. Ein allmählicher Wandel über Jahre gehört zum Älterwerden. Eine deutliche Veränderung über Wochen oder Monate hat meist eine Ursache.

Erektionsstörungen sind ein etabliertes Frühzeichen für Gefäßerkrankungen und gehören kardiovaskulär abgeklärt, nicht nur symptomatisch behandelt.

Zuerst die Medikamentenliste

Mit dem Alter steigt die Zahl der Dauermedikamente, und mehrere sehr häufig verordnete Gruppen beeinflussen Libido und Funktion — darunter bestimmte Blutdruckmittel, Antidepressiva, Prostatamedikamente und Diuretika. Setzen Sie nichts eigenmächtig ab. Fragen Sie nach Alternativen: Innerhalb derselben Wirkstoffgruppe gibt es oft mehrere, und ein Wechsel löst das Problem häufig vollständig.

Erkrankungen, die dahinterstecken

Die häufigsten, und alle abklärbar:

Diabetes — betrifft Gefäße und Nerven, eine der häufigsten Ursachen überhaupt.

Herz-Kreislauf-Erkrankungen — dasselbe Gefäßsystem.

Schilddrüsenstörungen — mit einem Bluttest geklärt.

Depression — häufig im Alter, häufig unerkannt, und sie senkt die Libido direkt.

Schlafapnoe — wird massiv unterdiagnostiziert und beeinflusst Hormone, Energie und Gefäße gleichermaßen.

Chronische Schmerzen und Arthrose — ein praktisches Hindernis, über das kaum jemand spricht und für das es oft einfache Lösungen gibt.

Eine Parkbank im Freien
Half Chinese · CC BY 2.0

Nach den Wechseljahren

Verdient einen eigenen Abschnitt, weil hier die Lücke zwischen Behandelbarkeit und Behandlung am größten ist.

Der Östrogenabfall führt zu dünnerer, trockenerer und empfindlicherer Schleimhaut. Die Folge sind Trockenheit, Brennen und Schmerzen — mechanisch bedingt, nicht psychisch.

Das ist zuverlässig behandelbar. Lokale Präparate wirken direkt am Ort und werden gut vertragen. Trotzdem sprechen viele Frauen es nie an, weil sie es für eine unvermeidliche Folge des Alters halten.

Es ist keine.

Das übersehene Thema: Infektionen

Die Zahlen sexuell übertragbarer Infektionen bei älteren Erwachsenen steigen in mehreren Ländern. Dafür gibt es nachvollziehbare Gründe:

  • Nach der Menopause entfällt der Verhütungsgrund, und damit oft auch das Kondom
  • Neue Partnerschaften nach Trennung oder Verwitwung sind häufiger geworden
  • Tests werden älteren Menschen seltener angeboten, weil niemand daran denkt
  • Viele Infektionen verlaufen symptomlos

Praktisch heißt das: Schutz und Tests sind bei neuen Partnerschaften genauso relevant wie mit dreißig. Wenn Ihnen kein Test angeboten wird, fragen Sie danach.

Das Gespräch

Der schwierigste Teil, und der mit dem größten Ertrag.

Sprechen Sie es zuerst an, nicht am Ende des Termins mit der Hand an der Türklinke.

Nennen Sie es beim Namen. Umschreibungen führen dazu, dass die Beschwerde als Nebensache eingeordnet wird.

Bringen Sie Ihre Medikamentenliste mit. Das ist oft die schnellste Erklärung.

Wenn Ihnen gesagt wird, das gehöre zum Alter, holen Sie eine zweite Meinung. Das ist keine medizinische Auskunft, sondern das Ende einer Untersuchung, die nie stattgefunden hat.

Dies sind allgemeine Informationen und ersetzen keine ärztliche Beratung — siehe unseren Haftungsausschluss.

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Häufige Fragen

Lässt das sexuelle Interesse im Alter zwangsläufig nach?

Es verändert sich, verschwindet aber nicht automatisch. Ein deutlicher Einbruch hat meist eine konkrete Ursache — Medikamente, Hormone, Erkrankungen oder Schlafmangel — und die ist häufig behandelbar.

Was verändert sich körperlich tatsächlich?

Die Erregung braucht mehr Zeit und mehr direkte Stimulation, bei Frauen nimmt die natürliche Befeuchtung ab, bei Männern werden Erektionen weniger zuverlässig. Nichts davon bedeutet, dass etwas krank ist.

Welche Rolle spielen Medikamente?

Eine sehr große und meist unterschätzte. Mit dem Alter steigt die Zahl der Dauermedikamente, und mehrere gängige Wirkstoffgruppen beeinflussen Libido und Funktion. Das ist die erste Sache, die man prüfen sollte.

Sind Beschwerden nach den Wechseljahren behandelbar?

Ja, und zwar gut. Trockenheit und Schmerzen beruhen auf einer hormonell bedingten Veränderung der Schleimhaut. Lokale Behandlungen wirken zuverlässig und werden viel zu selten angesprochen.

Sind Geschlechtskrankheiten im Alter ein Thema?

Ja, und ein wachsendes. Infektionszahlen bei älteren Erwachsenen steigen in mehreren Ländern, unter anderem weil Verhütung nach der Menopause entfällt und Tests seltener angeboten werden.

Quellen

  1. WHO — Sexuelle Gesundheit
  2. Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung
Korrekturen

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